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Autor Thema: F1 2012 - Ein Zwischenruf nach 5 Rennen  (Gelesen 1019 mal)

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Kid Khan

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F1 2012 - Ein Zwischenruf nach 5 Rennen
« am: 14. Mai 2012, 11:38:51 »

Fünf Rennen, fünf verschiedene Sieger, fünf verschiedene siegreiche Teams, 100erte Überholmanöver.

Was auf den ersten Blick nach den Jahren der Langeweile und Prozessionsfahrten wie ein Segen für Sport aussieht, bedarf sehr schnell eines ziemlich analytischen zweiten Blicks, sonst kippt der Sport in die Lächerlichkeit.

Ursache für das Auf und Ab in den Ergebnislisten sind die Pirelli Reifen. Kein Team, kein Fahrer, kein Ingenieur "versteht" die Reifen. Niemand hat eine brauchbare Anleitung dafür, wie man diese schwarzen Walzen des Jahrgangs 2012 zum zuverlässigen Arbeiten bringt, wie man die Temperatur reinbringt, im Arbeitsfenster hält und eine Überhitzung vermeidet. Dann, und nur dann hat man eine Chance auf den Rennsieg. Und offensichtlich ist das in diesem Jahr reine Glückssache, ja, Zufall. Pastor Maldonado und Williams in allen Ehren, aber an der Spitze des gesamten Feldes? Nach 66 Runden? Niemand kann ernsthaft glauben, dass sowohl Williams als auch Maldonado technisch so weit sind, das ganze Feld zu beherrschen. Gleiches gilt für Rosbergs und Alonsos Sieg. Und trotzdem ist es passiert.

Die Frage stellt sich (mir) nun: was bringt das?

Wann immer ein Offizieller vor ein Mikro tritt, gibt es Lobeshymnen auf Pirelli, wie gut die Situation für den Sport ist, dass es eigentlich nur Gewinner gibt, aber vor allem einen: den Zuschauer, dank Pirelli.

Ich würd den gerne mal sehen, diesen ominösen, immer wieder beschworenen "Zuschauer".

Die Statements der Fahrer direkt nach dem Rennen transportieren Ratlosigkeit und Frustration. Zwei Stunden später, vermutlich nachdem sie von den Pressechefs wieder auf Linie gebracht wurden, sind wieder alle glücklich mit diesen Reifen, weil die sooo super für die Show sind.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die großen Konzerne das dauerhaft mitmachen werden. Da werden jährlich 3-stellige Millionen Beträge in die Entwicklung von Chassis, Aerodynamik, Motoren und Elektronik verballert, um Performancegewinne um Zehntel-, ja, Hundertstelsekunden zu erreichen. Das alles, um sich mit den Konkurrenten zu messen und letztendlich durch bessere Leitung einen höheren Werbeeffekt zu erzielen. Kommt das Rennwochenende wird die gesamte technische Ausstattung durch vier schwarze Gummiringe am Ende der Achsen ad Absurdum geführt und sämtliche Werte aus 24/7 laufenden Windkanälen und Simulationen sind Makulatur. Wofür treibt man dann diesen ganzen Aufwand überhaupt, wenn am Ende der Zufall der glücklichen Reifenwahl das Ergebnis entscheidet und plötzlich Autos schnell macht, die objektiv gerade einmal Mittelmaß sind? Das lässt sich dauerhaft auf den Aktionärsversammlungen nicht glaubhaft vermitteln.

Wir stehen gerade vor der Entscheidung, ob der Sport der Show mittelfristig geopfert werden soll. Vielleicht verspricht man sich mit diesem Konzept einen noch größeren Markt, auch Oma Erna und die erweiterte Zielgruppe von Schlage der RTL2 Seher soll jetzt Formel 1 spannend finden. Mit Sport hat das aber nichts mehr zu tun. Sport, zumal Leistungs-, Profiport bedeutet in meinen Augen, eine Leistung im Grenzbereich zu erbringen. Die Wagen des Jahres 2012 *dürfen nicht* am Limit bewegt werden, weil ihnen sonst nach 5 Runden die Reifen um die Ohren fliegen. Es gewinnt nicht mehr der Schnellste mit dem besten Auto, sondern der beste Versteher, der, der am besten die Reifen schonen kann, und selbst das ist reiner Zufall und wird an jedem Wochenende neu ausgelost.

Für mich stellt sich nach fünf Rennen sehr deutlich die Frage, ob ich dem Geschehen weiter folgen möchte, oder nicht. Nach meinem Empfinden hat das nichts mehr mit Sport zu tun, sondern verkommt mehr und mehr zu einer Kirmesveranstaltung mit Glücksspielcharakter. Natürlich sind die Reifen ein Teil des Wagens, aber in der jetzigen Konfiguration ist ihr Stellenwert VIEL zu hoch, da rennentscheidend. Und wenn niemand in der Lage ist, das rennentscheidende Element so weit zu verstehen, dass er es wiederholt am Limit ausnutzen kann, dann ist der Sinn dieses Sports in meinen Augen verfehlt, egal wie kommerziell erfolgreich man damit sein mag. Auch das amerikanische "Wrestling" zieht die Massen an, ein Sport ist es deswegen noch lange nicht. Vielleicht ist das wirklich so gewollt, weil man hier den größeren Massenmarkt wittert, dann muss man sich aber auch bewusst sein, dass man die Anhänger des "Sports" dabei verliert. Und ein Ayrton Senna dreht sich im Grabe um und guckt jetzt lieber Castingsshows.

Offline BlackKnight

  • Rentner-Bande
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Re: F1 2012 - Ein Zwischenruf nach 5 Rennen
« Antwort #1 am: 14. Mai 2012, 14:28:37 »
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Morpheus

  • Gast
Re: F1 2012 - Ein Zwischenruf nach 5 Rennen
« Antwort #2 am: 14. Mai 2012, 17:09:34 »
Die bekommen die Reifen schon noch in den Griff. Da bin ich überzeugt.

Nur wann? Der eine früher der andere später. Was bleibt bis dahin auf der Strecke?
Da wird jetzt der Eine oder Andere sagen  - sehr viel Gummi.  :icon_mrgreen_


Ja ja ich weiß  :pfeif:

Kid Khan

  • Gast
Re: F1 2012 - Ein Zwischenruf nach 5 Rennen
« Antwort #3 am: 26. Mai 2012, 16:56:03 »
Briatore amüsiert sich über Wirkung der Reifen

Nach wie vor ist Briatore ein großer Kritiker der hohen Kosten in der Formel 1. Auch das Ressourcen-Restriktions-Abkommen RRA - eine lockere Vereinbarung der Teams über die Ausgaben, die künftig von der FIA kontrolliert werden soll - sieht er nicht als wirkungsvollen Weg, um die Teams daran zu hindern, unnötig Geld auszugeben.

"Jeden Dollar, den die Teams extra bekommen, stecken sie sofort wieder ins Auto", wettert er. "Das müssen wir regulieren. Die Regeln müssen so geschrieben sein, dass es keinen Sinn macht, extra Geld auszugeben. Dass so etwas möglich ist, erleben wir gerade."

Briatore spielt darauf an, dass die unberechenbaren Reifen, die diese Saison eine Schlüsselrolle einnehmen, aerodynamische Entwicklungen überschatten. "Der Reifen hat die Rolle der Budgetdeckelung übernommen", freut er sich. "Er bestimmt das Rennen, nicht der Windkanal, der Simulator oder der Fahrer."

Der Italiener amüsiert sich angesichts der überraschenden Rennverläufe, wo plötzlich auch Teams mit geringem Budget konkurrenzfähig sind, und erkennt: "Bei den großen Teams, die 250 Millionen ausgeben, beginnt jetzt ein Denkprozess. Ist es wirklich nötig, so viel Geld zu investieren, wenn 90 Millionen auch ausreichen, um zu gewinnen? Der Witz ist, dass der Gleichmacher verhältnismäßig wenig kostet. Es ist nur der Reifen."

Doch so ganz glücklich ist er mit der aktuellen Formel 1 doch nicht - die Ergebnisse sind auch ihm zu beliebig: "Wir brauchen eine gute Balance für das Maß an Überraschung, dass wir uns zumuten. Zu viel Überraschung ist eine Lotterie. Bei allem Respekt vor Maldonado und Williams: Es ist schon ein bisschen komisch, dass er in der Lage war, Alonso in einem Ferrari zu schlagen."



Der alte Bescheisser, nicht nur, dass er F1 Rennen manipuliert, jetzt muss er seine Statements auch noch abschreiben lassen!  :sport:


Nur Spaß!  :00008327:, nicht überraschend, dass sich diese Ansicht langsam aber sicher durchsetzt, obwohl Briatore was Anderes im Sinn hat, nämlich weitere Kostenreduktion, hier der ganze Artikel, der Teil oben ist ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen.